Warum schreiben wir?
Ich glaube, es gibt so viele unterschiedliche Gründe, zu schreiben wie Schreiblinge oder Schreiber. Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Die Gedanken, die Worte, die Gefühle müssen raus. Wenn ich mal eine Zeit lang nicht zum Schreiben komme, weil das Leben und der Alltag dazwischen kommen, fühlt sich mein Hals wie zugeschnürt an. Mein spiritueller Lehrer sagt, der Hals stehe für das Thema Ausdruck. Sich ausdrücken (dürfen), zum Ausdruck kommen. Da will etwas zum Ausdruck kommen.
Das Hals-Chakra steht für Ausdruck. Ein gefühlter Druck im Hals steht oft im Zusammenhang mit einem gestörten oder gar fehlenden Gefühl, sich ausdrücken zu dürfen, mit unausgesprochenen Wahrheiten, mit unterdrückten Gefühlen. Das kann sich sogar in Krankheiten äußern wie ständige Halsschmerzen, Mandelentzündungen, Schilddrüsenfehlfunktionen.
Es geht nicht nur um Worte. Es geht darum, sich so zeigen zu können, wer man ist, wie man ist. Aber auch darum, „anzukommen“, also verrstanden und angenommen zu werden. Es reicht nicht nur, seine Gedanken auszukotzen. (Auch wenn das ein wichtiger Schritt ist) Für den vollkommenen „Ausdruck“ muss ich auch das Gefühl haben, mich ausdrücken zu dürfen wie ich bin. Zu sagen, was ich denke, meine, fühle. Zu zeigen, wer ich bin, wie ich bin. Ein zugeschnürter Hals kann also auch entstehen, obwohl man den ganzen Tag seine Meinung hinausschreit. Wenn es niemanden gibt, der sich dafür interessiert, wenn es niemanden gibt, der mich sieht, nützt es nichts. Der Hals bleibt zu, was ausgedrückt werden wollte, kam nicht zum Ausdruck.


Ich habe mich lange gefragt, warum Schreiben diesen Effekt hat, obwohl niemand den Text liest. Ich habe noch keine endgültige Antwort, nur Ideen.
Vielleicht ist nicht obwohl niemand den Text liest, sondern weil. Vielleicht haben wir zu oft die Erfahrung gemacht, dass das was wir sagen, falsch verstanden wird? Oder richtig verstanden, aber verurteilt wird? Vielleicht haben wir für unsere Gedanken bereits so viel Ablehnung erfahren, dass es besser ist, sie rauszulassen, ohne, dass sie irgendwo anders ankommen. Sie dürfen einfach hier stehen bleiben. Einfach sein.
Und wenn wir die Gedanken dann doch mit jemandem teilen, wenn wir unsere Texte vortragen, wenn wir sie auf einer Website veröffentlichen, vielleicht ist da doch noch eine Hoffnung, eine Idee, dass irgendwo im Publikum oder vor seinem Bildschirm jemand sitzt, der unsere Gedanken nachvollziehen kann. Der sie feiert, der dadurch inspiriert wird.
Vielleicht schreiben wir, um unsere Gedanken und Gefühle festzuhalten. Um nicht verloren zu gehen in dem ganzen Gedanken-Gefühls-Chaos. Um etwas Ordnung reinzubringen. Um sich selbst besser zu verstehen wenn man seine Texte einige Zeit später noch einmal liest. Von einer Spiri-Tante habe ich mal den Kommentar gehört, dieses „Festhalten“ sei so typisch männlich. Man solle seine Gefühle doch einfach mal fühlen und weiterziehen lassen. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ist Schreiben also männlich? Sind Schriftstellerinnen und Autorinnen damit männlich? Gibt es männliche Kunst, gibt es weibliche Kunst? Auch darauf habe ich noch keine Antwort…
In meinen Notizen sind mittlerweile so viele Texte, dass ich damit mein Haus tapezieren könnte. Ich denke nicht, dass ich alle veröffentlichen werde, aber wenn ich meine, dass es jemanden interessieren, inspirieren oder amüsieren könnte, dann werde ich es nun hier tun.
Welches Thema interessiert dich? Schreibe mir gern. Vielleicht finde ich einen Text dazu in meinem Notiz-Haufen oder eine Inspiration für einen neuen.



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