Kann man Stiefkinder lieben wie leibliche Kinder?

Kann man Stiefkinder lieben wie seine eigenen? Und kann man wenn man selbst keine Kinder hat, diese ganze Scheisse mitmachen?

Ich hatte heute einen herzlichen Austausch mit einer Kollegin, die vier Kinder hat.
Drei davon hat sie in ihre Ehe mitgebracht, das jüngste ist das gemeinsame leibliche Kind. Ihr Mann hatte davor keine eigenen Kinder und hat ihre Kinder als seine angenommen und großgezogen. Gerade der Älteste war dann aber bald in der Pubertät und es war nicht immer einfach, sagt sie. Ist es heute noch nicht.
Aber die Kinder nennen den Mann Papa und er ist einfach ihr Papa. Und er wird auch ihr Papa bleiben.

Ich habe ihr gratuliert, dass sie so einen Mann gefunden hat und habe ihm großen Respekt ausgesprochen.
Ich habe sowieso großen Respekt davor, wenn Eltern für ihre Kinder bedingungslos da sind.
Aber wenn es dann auch noch nicht mal deine leiblichen sind. Wow.

Er hätte ja auch einfach gehen können.
Und ich kenne das, dass Männer dann einfach gehen.
So groß die Liebe auch sein mag, der Job „Vater“ ist manchmal einfach verdammt hart. (Und es bestehen falsche Vorstellungen davon, was Vater-Sein/Eltern-Sein wirklich bedeutet.)
Und ich verstehe das total. Wirklich.
Wenn ich schon bei meinen eigenen Kindern manchmal wütend und verzweifelt bin, einfach die Koffer packen und abhauen will, wie soll dann jemand cool bleiben, der sie nicht neun Monate im Bauch plus ein Jahr an der Brust hatte? Es gibt Männer und sogar Frauen, die  verlassen ihre leiblichen Kinder wenn sie überfordert sind.

Ich hatte mal eine Diskussion mit meiner Mutter zu dem Thema. Sie sagte, ich bräuchte einen Mann, der keine eigenen Kinder hat, damit er meine als seine annehmen könnte. Wenn ein Mann bereits eigene Kinder und eine Ex-Frau hätte, hätte er gar nicht die Kapa der Partner zu sein, der er sein sollte und bestimmt wollte.
Ich war anderer Meinung.
Ich sagte, ein kinderloser Mann würde das nicht mitmachen. Nur jemand, der weiss, was es bedeutet, ein Kind zu begleiten, kann diese ganze wundervolle Scheisse hier mitmachen.
Und nur Leute, die Kinder haben, wissen, was ich damit meine 🙂

Nach all den Erfahrungen, die ich seit dem Gespräch mit meiner Mutter gesammelt habe, ist meine Meinung dazu differenzierter oder viel einfacher: Vmtl. ist es total egal, ob du schon Kinder hast oder nicht (auch wenn Erfahrung unbezahlbar ist). Es kommt auf die Innere Haltung an.

Wenn ein Mann oder eine Frau in seinen/ihren Vierzigern/Fünfziger (finds grad amüsant, dass ich mich mittlerweile hier bewege :D) keine Kinder hat und sein Lotterleben genießt, ist es Blödsinn… wenn aber ein anderer kinderloser Mann sein Leben lang Vater sein wollte und es nicht geklappt hat – Jackpot 😉

Wenn ein Mann bereits Kinder hat, ist die Erfahrung von Vorteil. Birgt aber auch die große Gefahr mit sich, dass das Bild von Kinder/Familie etc. bereits gefärbt ist. Dass Traumata irgendwo schlummern.
(Es gibt ja auch immer Gründe und Auslöser, warum eine Ehe scheitert…)
Die Gefahr ist groß, dass die Erfahrungen aus der ersten Familie in die neue projiziert werden und ungelöste Konflikte verschoben werden.

Es geht also gar nicht um „deine“ oder „meine“, es geht um bedingungslos!
Es geht einfach darum, ob jemand bereit ist, Vater/Mutter zu sein, egal ob für seine leiblichen oder zusätzliche kleine Menschen.


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