Egotod

Egotod

Ich lese immer wieder vom bösen bösen Ego. Und wenn du erleuchtet, geheilt, du selbst, spirituell erwacht usw. sein möchtest, muss das Ego sterben.
„Töte dein Ego.“
„Ego-Tod.“
Begegnet mir schon immer, aber in letzter Zeit immer öfter. Und letztens wurde ich mal nachdenklich…

Ich weiss durchaus, was damit gemeint ist. Gerade in Spiri-Kreisen, gerade für Heilende ist das eine große Gefahr.
Große Macht bringt große Verantwort mit sich. Hab ich mal in einem Superhelden-Film aufgeschnappt.
Und genau das ist die Gefahr. Dass man sich irgendwann als Superheld, als Guru, als der Super-Heiler und Retter sieht, dass man seine Macht missbraucht, übergriffig und überheblich wird und damit denen, denen man eigentlich helfen wollte, schadet.
Es muss nicht mal ein Schaden beim anderen entstehen. Wir schaden uns bereits selbst, wenn wir „nur“ heilen, weil wir dafür geliebt und bewundert werden. Liebe und Bewunderung sind ganz wunderbare Drogen. Und wir alle wissen, dass Drogen schädlich sind. 😉

Also ja, auf jeden Fall, weg mit dem Ego.
Aber hey, müssen wir denn wirklich jemanden töten? Muss denn wirklich schon wieder jemand sterben?
Selbst ins Exil schicken… Ich weiss nicht…
Das böse böse Ego ist halt ein Teil von uns. Einer ausm Dorf. Der will doch nur geliebt werden, hat vielleicht Angst, hat vielleicht nicht so viel Führung und Liebe bekommen. Der afd-Wähler unseres inneren Teams sozusagen. Die töten wir doch auch nicht.

Können wir unserem Ego nicht einfach einen Platz am Kamin anbieten? Nen Kakao. Eine Umarmung. Ihn fragen, was es braucht?
Können nicht einfach die anderen aus dem Dorf ein Auge auf ihn werfen?
Und es nach Hause schicken, wenn es anfängt rumzupöbeln.

Von mir aus – lass es uns behandeln wie einen Straftäter, wenn das Ego mal was richtig doofes angestellt hat. Lass uns ins Gericht gehen. Lass uns anschauen, was es angerichtet hat. Lass uns einen Täter-Opfer-Ausgleich machen und eine Re-Integration. Lass das Ego doch Sozialstunden schieben. Gib ihm eine Straßenkatze, auf die es aufpassen kann. Oder noch besser eine Schafsherde und einen Hütehund. Eine Aufgabe. Fürsorge. Liebe.
Ich muss immer an das Ohngesicht aus Chihiros Reise ins Zauberland denken. Mein absoluter Lieblingsfilm. Eine der letzten Szenen zeigt das Ohngesicht mit der alten Hexe am Spinnrad, es hat ein Zuhause gefunden, wo es sich angenommen und gebraucht fühlt.

Es gibt so viele Möglichkeiten, was man mit seinem Ego machen kann.
Aber Mord?
Muss das echt sein?


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